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Perfekte Symbiose aus Handwerk und High-Tech

Perfekte Symbiose aus Handwerk und High-Tech

 

Mehr als 60 Meter hoch, rund anderthalb Kilometer lang, 120 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit - Werte der Superlative, und nur einige Zahlen zur größten Holzachterbahn der Welt. Das Monstrum namens "Colossos" steht im Heidepark Soltau, erbaut hat es die Firma Ing.-Holzbau Cordes aus Rotenburg (Wümme). Colossos - die perfekte Symbiose aus Handwerk und High-Tech.

 

"Die Sache hatte für uns natürlich nur positive Effekte", macht Heinrich Cordes unverhohlen klar. Und er weiß, dass "Colossos" wohl die Tore für viele weitere große Projekte geöffnet haben dürfte: "Nach so einem Ding traut man einem ja alles zu."

Für Heinrich Cordes, der das fast 100 Jahre alte Unternehmen in der dritte Generation führt, ist das Projekt im Heide-Park Soltau das perfekte Zusammenspiel von traditionellem Handwerk und hochmoderner Technologie. "Wir haben natürlich mit sehr großem EDV-Einsatz gearbeitet, CAD vor allem. Die Programme dafür sind in Deutschland schließlich verfügbar", verweist der Chef des Traditionsunternehmens auf die guten Voraussetzungen hier zu Lande. Selbst im klassischen "Achterbahn-Land" USA sei man in diesem Bereich technisch längst nicht soweit. Insoweit habe der technologische Fortschritt im deutschen Handwerk eine echte Tradition, bestätigt Cordes.

Wenn Heinrich Cordes von Handwerk spricht, weiß er, was er tut. Als Kreishandwerksmeister kennt er die Entwicklungen nur zu gut, und er weiß daher auch: "Das Handwerk ist in unserer Region dominierend." Im Altkreis Rotenburg (750 Betriebe) und um Bremervörde (850) habe das Handwerk selbst die Landwirtschaft hinter sich gelassen, während die Industrie noch nie die herausragende Bedeutung gespielt habe.

Das Handwerk gewinnt demnach - neben dem starken Sektor der sozialen Dienste in Rotenburg selbst - also immer mehr an Bedeutung. Aber findet sich denn in heutigen Zeiten noch ausreichend Nachwuchs für wachsendes Handwerk? "Auf jeden Fall", bejaht Cordes, dessen Sohn Ulf selbst den Schritt in die Geschäftsführung bereits vollzogen hat. "Das Verhältnis in unserem Landkreis ist sehr ausgewogen. Es gibt zwar auch bei uns Branchen mit Problemen, zum Beispiel bei den Fleischern, aber andere handwerkliche Berufsfelder sind dafür umso gefragter", erklärt der Kreishandwerksmeister, dessen Verband ein klares Ziel mit Zuversicht verfolgt: "Bei uns bekommt jeder Bewerber eine Ausbildungsstelle." Dass nicht alle Sonderwünsche zu erfüllen seien, sei dabei klar.

Mit "Colossos", aber auch mit anderen Projekten hat sich indes eine These Cordes' mit Nachdruck bestätigt: Der Einfluss der Technologie auf das Handwerk nimmt deutlich zu. Allein bei der Firma Ing.-Holzbau Cordes stehen bereits 48 Rechner, an denen gearbeitet wird. "Wir sind an einigen Kooperationen beteiligt, und dadurch haben wir auch engen Kontakt mit den Hochschulen", erläutert Cordes die Bedeutung des Technologietransfers für das heutige Handwerk. Ingenieure und Handwerker arbeiteten eng zusammen, von den Hochschulen kämen häufig Praktikanten in das bekannte Unternehmen.

"Dies ist eine allgemeine Tendenz", hat der Kreishandwerksmeister beobachtet, " ich will noch nicht sagen, dass der Verlauf bei uns repräsentativ ist, aber ich denke, das Handwerk macht gerade eine ganz normale Entwicklung durch." Von Nachholbedarf in Sachen High-Tech keine Spur, versichert Cordes.

Derweil scheint das nächste Großprojekt vor der Tür zu stehen: Cordes' Mannschaft steht derzeit in engen Verhandlungen mit dem Liseberg-Park in Göteborg, der ein ähnliches Projekt wie "Colossos" in Soltau realisieren will. "Es sieht ganz gut aus", verrät der erfolgreiche Geschäftsmann.

Christoph Almering

 

 

Infokasten:

 

Höhe Lift:

60 m

Streckenlänge:

1.500 m

Maximale Geschwindigkeit:

120 km/h

Fahrzeit (incl. Lift):

145 s

Maximales Gefälle:

61 Grad

Maximale Querneigung:

67 Grad

Anzahl Züge:

2

Wagen pro Zug:

5

Personen pro Wagen:

6

Anzahl Personen pro Zug:

30

Maximale Kapazität:

1500 Pers./Std.

Tragwerk:

3.000 cbm Holz
275.000 lfm
90.000 Holzteile
davon 20.000 verschiedene

Verbindungsmittel:

80.000 kg Schrauben, Muttern
6.000 kg Nägel
125.000 kg Stahlteile (Fußanker, Ledgerschuhe, Balkenschuhe)

Fundamente:

3.800 cbm Beton

Bewehrung:

100.000 kg Betonstahl

Erdbewegungen:

120.000 cbm

Baukosten:

45 Mio. DM

Entwurf & Statik:

Werner Stengel

Technik:

Intamin, Schweiz

Holzkonstruktion:

Ing.-Holzbau Cordes

Holzlieferung (deutsche Kiefer):

Sägewerk Harling

 

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